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Entlang der Südküste Islands
Die Südküste Islands hat im Gegensatz zu den anderen Küstenregionen ihren
eigenen Charakter. Von Höfn bis Selfoss sind seit der letzten Eiszeit
ausgedehnte Sandflächen entstanden. Gleichzeitig verwehrt dieser
Küstenabschnitt jeglichen Hafenbau durch seine Sandküsten.

Die Südküste Islands hat im Gegensatz zu den anderen Küstenregionen ihren
eigenen Charakter. Von Höfn bis Selfoss sind seit der letzten Eiszeit
ausgedehnte Sandflächen entstanden. Gleichzeitig verwehrt dieser
Küsten-abschnitt jeglichen Hafenbau durch seine Sandküsten.

Riesige Sandurflächen und Wasserfälle
In den Warmzeiten zwischen den vielen Eiszeiten der letzten 2 Mio. Jahre
stand der Meeresspiegel wesentlich höher, und eine ausgeprägte
Brandungsplattform mit Steilküste konnte sich entwickeln. Diese
Brandungsplattform liegt in einer durchschnittlichen Tiefe von 100 - 130 m
unter dem heutigen Meeresspiegel und wird von Basalt aufgebaut.
Die ehemalige Steilküste ist besonders gut bei Núpsstadir, Foss,
Kirkjubaejarklaustur und von Vik bis zum Seljalandsfoss zu sehen. Alle
Flüsse, die in diesem Bereich nach Süden entwässern, fallen in teils
imposanten Wasserfällen diese fossile Steilküste hinunter: Seljalandsfoss,
Skógafoss, Foss und viele andere.
Als die gewaltigen Schmelzwassermassen am Ende der Eiszeit unvostellbare
Sand- und Geröllmassen zum Meer schwemmten, wurde die Brandungs-plattform
immer weiter zusedimentiert. Heute weiß man durch seismische Untersuchungen,
dass die riesigen Sanderflächen 50 - 100 m mächtig sind und dieser
basaltischen Plattform aufliegen. Das Gefälle liegt meist unter 1° und die
weite Ebene wird nur hier und da durch alte Flussläufe und ihre Seitendämme
unterbrochen.
Bei großen Gletscherläufen (Vulkanausbrüche unter dem Gletscher) kann sich
die Küstenlinie innerhalb von wenigen Stunden um einige Meter weiter ins
Meer verlagern - so zuletzt geschehen im Jahr 1996. Die jährliche
Schuttzufuhr auf den Sanderflächen schätzt man auf 49 Mio. Tonnen.
Für den Straßenbau Islands waren diese Sanderflächen schwere Hindernisse.
Erst seit 1974 ist es möglich, auch zu Hochwasserzeiten im Sommer die
Ringstraße 1 ständig zu befahren. Eine 964 m lange Brücke - die längste
Islands - über die Skeidará schloss die letzte Lücke. Früher konnte das
Hochwasser die Brücken wie Spielzeug wegreißen. Heute setzt man die
Brückenfundamente so weit in den weichen Sand, dass auch ein kräftiges
Hochwasser sie nicht mehr umreißen kann. Allerdings werden die aus losem
Schotter zusammengeschobenen Auffahrten noch des öfteren weg gespült, aber
bei den Sandmassen kann ein Bulldozer in kurzer Zeit eine neue Auffahrt
zusammen schieben. Um auch dies so weit wie möglich zu vermeiden, wird der
fast bettlose Fluss schon einige Kilometer vor der Brücke durch Dämme auf
die Brücke zugeleitet. Die Dämme grenzen immer wieder einzelne Becken ab, in
denen sich das Hochwasser beruhigt und seine Sand- und Geröllfracht ablädt.
Dadurch werden die Dämme auf natürlich Weise gefestigt und ein
reibungsloser Straßenverkehr auch bei starkem Hochwasser gewährleistet.
Um die ungebremste Urgewalt dieser Schmelzflüsse zu verstehen, sollte man
einige Minuten die Flut der Skeidará bei der Brücke beobachten (Ringstraße
1).

Gletscher und Eisseen
Ein Erlebnis besonderer Art ist eine Fahrt entlag dem größten Gletscher
Islands, dem Vatnajökull. Weit über ein Dutzend Gletscherzungen ergießen
sich vom Eisplateau des Vatnajökull in die Küstenregion. Die breiteste
Gletscherzunge ist der Skeidarárjökull. An der schmalsten Stelle ist er 8
km breit; wo er sich wie ein zäher Brei in die Sandurfläche ergießt,
erreicht er eine Breite von über 20 km. Die Eismassen bringen so viel
Geschiebefracht mit, dass die abschmelzende Gletscherstirn vollständig von
diesem Gesteinsschutt eingedeckt wird, und das Eis sieht aus wie ein
gewöhnlicher Moränenhügel.
Von der Ringstraße 1 aus sind die vielen Schmelzwasserseen und -tümpel in
dem flachen Sandurgelände nicht zu sehen. Aber die vielen Endmoränenwälle,
die vom letzten Gletscherhöchststand gegen Ende des 19. Jhdt. zeugen, kann
man gut sehen.
Der Skeidarárjökull hat den gewaltigen Skeidarársandur aufgeschüttet. Die
Sandurfläche ist in Ost/West-Richtung rund 50 km breit und die
Schmelzwässer der Skeidará fließen vom Gletscher bis zum Meer etwas mehr
als 25 km über die Sandurfläche.
Im Nationalpark von Skaftafell gehen noch viele kleinere Gletscher zu Tal.
Der Morsárjökull stürzt über eine hohe Felsklippe zu Tal - das Donnern der
tonnenschweren Eisblöcke ist auf der Westseite von Skaftafell deutlich zu
hören. Weiter unten endet die Gletscherzunge in einem kleinen Stausee, in
dem einige kleine Eisberge schwimmen.
Direkt östlich von Skaftafell erstreckt sich der ca. 8 km lange
Skaftafellsjökull; etwas weiter der Svinafellsjökull. Beide Gletscher sind
zu Beginn des 20. Jhdt. in der Sanderfläche noch zusammen geflossen.
Eine besonders schöne Endmoräne hat der Kviárjökull am Ende des 19. Jhdt.
zurück gelassen. In der zweiten Hälfte des 19. Jhdt. hatten die Gle-tscher
der Nordhalbkugel einen Höchststand - eine kleine Eiszeit. Die
Auslaufgletscher des Vatnajökull sind von 1700 bis 1850 gut 500 m länger
geworden. Seit 1890 haben sie sich aber wieder um rund 1200 m verkürzt. Der
Skeidarárjökull hat sich an seiner Westseite seit 1930 sogar um 2200 m
zurück gezogen.
Östlich des Öraefajökull haben die Gletscherzungen des Breidamerkurjökull
tiefe Gletscherseen hinterlassen. Die zwei größten sind der Breidamerkurlón
und der Jökulsárlón. In dem schmutzig trüben Schmelzwasser treiben große und
kleine Eisberge, die von der Gletscherzunge abgebrochen sind. Manche der
Eisberge sind so groß, dass sie in dem 130 m tiefen Jökulsárlón auf dem
Grund aufsitzen.
Die abgeschmolzenen Gletscherzungen aus dem 19. Jhdt. hinterließen tiefe
Mulden, in denen sich das Schmelzwasser sammelt. Rings um den Gle-tschersee
sind noch die alten Endmoränen zu sehen, die vom Gletscherhöchststand
zeugen.

Kap Dyrhólaey
Südlich des Myrdalsjökull haben sich in den vergangenen 2 Mio. Jahren einige
Vulkaninseln gebildet. Die Felsenklippen von Kap Dyrhólaey - Türhügelinsel
- sind die Ruinen eines solchen Inselvulkans. Durch die starke Brandung
wurde der Vulkan stark erodiert und von Norden her in den letzten
Jahrtausenden durch die Sanderflächen an die Hauptinsel angebunden. Die
alten Vulkane Petursey (10 km nordwestlich von Kap Dyrhólaey) und
Hjör-leifshöfdi (12 km östlich von Vík) wurden ebenfalls durch die
Sandurflächen an die Hauptinsel angebunden. Auch die Felsenklippen von
Ingólfshöfdi (direkt südlich des Öraefajökull) sind eine alte Vulkanruine,
die durch die Sanderfläche keine Insel mehr bilden. Die starke
Meeresbrandung hat in die basaltischen Hyaloklastite und Kissenlaven ein
gewaltiges Felsentor gefressen.
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08.02.2012