ePrivacy and GPDR Cookie Consent management by TermsFeed Privacy Generator
Zurück zur Übersicht
 

CHINAS KAISERSTäDTE

VON MAG. JüRGEN FLICK

 
>> Starte Diaschau
Grosse Mauer (C) stock.adobe Longmen-Grotten (C) stock.adobe (C) stock.adobe.com Hangzhou (C) Alamy Stock Photo Peking, Himmelstempel (C) JulienM - stock.adobe Shanghai (C) stock.adobe Shanghai (C) stock.adobe Terrakotta-Armee (C) David Davis - stock.adobe
 

Auf den Spuren einer großen Zivilisation

Wer heute nach China reist, erlebt ein Land, das sich kulturell selbst wiederentdeckt. Dieses Phänomen drückt sich nicht nur im stetig steigenden Interesse der Chinesen an ihrer eigenen Geschichte und Kultur aus, sondern auch in der Bereitschaft, diese zu präsentieren, sei es in zugänglich gemachten Bauwerken, großartigen Museen oder modernst aufbereiteten
archäologischen Stätten.

Anders ausgedrückt: Heute nach China zu reisen bedeutet die Qual der Wahl zu haben, besonders, wenn man einen vernünftigen Überblick gewinnen möchte.

„GEBURTSORTE“
Und genau dies setzt sich unsere Version der bewährten Reise „Kaiserstädte Chinas“ zum Ziel: Sie deckt die drei „Geburtsorte“ der chinesischen Zivilisation, den Gelben Fluss, ­Sichuan und den Unterlauf des Yangzi ab und ergänzt es um die Hauptstadt, die zwar erst relativ spät, um 1270 zum politischen Zentrum des Reiches wird, seitdem China aber natürlich entscheidend mitprägt. Dabei haben wir es aber nicht nur mit 4 Kulturregionen, sondern auch mit 4 unterschiedlichen Landesnaturen zu tun.

IM NORDEN - PEKING, ZHENGZHOU, DENGFENG
Zunächst der eher raue, trockene Norden mit Peking, wo es zwar unzählige Sehenswürdigkeiten gibt, aber die monumentalen kaiserlichen Anlagen den Besuch prägen – allen voran die Verbotene Stadt als größte erhaltene Palastanlage der Welt und die Große Mauer, nicht beim übertouristischen Badaling, sondern dem wesentlich schöneren Mutianyu, Seilbahn inklusive. Die erste Hochgeschwindigkeitsbahnfahrt bringt uns von Peking (wahrscheinlich vom nagelneuen Bahnhof Fengtai, derzeit der größte Bahnhof Asiens) nach Zhengzhou und weiter nach Dengfeng im fast mediterran wirkenden Bereich am Gelben Fluss, dem klassischen Herz Chinas. Im alten China spielte Geomantik eine entscheidende Rolle, wie wir heute noch am Einfluss von Fengshui sehen können. Der Staatsdaoismus kannte 5 heilige Berge, quasi die geomantischen Säulen des Reiches. Der geographisch zentrale Berg war der Songshan, eine Region, die später auch vom Buddhismus besetzt wurde, wie das berühmte Shaolin-Kloster beweist. Von den in unmittelbarer Nähe des Songshan gelegenen ehemaligen Kaiserstädten besuchen wir Luoyang - mit den imperial finanzierten Longmen-Grotten einer der Höhepunkte unter den Höhlentempeln Asiens.

AM GELBEN FLUSS
Für die Fahrt in den Vorgänger Luoyangs als kaiserliche Metropole nehmen wir uns Zeit, denn der Mittellauf des Gelben Flusses ist nicht nur historisch höchst interessant, sondern bietet auch landschaftlich einige Attraktionen. So erkunden wir den Gelben Fluss im Rahmen einer Bootsfahrt durch die Drei Schluchten und nehmen die Seilbahn auf den spektakulären Huashan, seines Zeichens einer der vier zentralen Heiligen Berge des chinesischen Buddhismus. Davon abgesehen warten auf dieser Route einzigartige Stätten wie der vollkommen ausgemalte Yongle-Palast aus der Mitte des 13. Jahrhunderts oder die Terrakotta-Armee des 1. Kaisers. Das Ziel selbst, Xi’an, ist eine attraktive Metropole mit Monumenten aus der glorreichen Tang-Zeit, aber auch einem der lebendigsten Basarviertel Chinas samt Großer Moschee, wo wir mehr über die tatsächliche Situation der muslimischen Minderheiten erfahren werden.

IM SÜDEN - SICHUAN
Fährt man mit der Hochgeschwindigkeitsbahn in 2 Stunden von Xi’an nach Guan­gyuan, wechselt man die Seite. Hat man das immerhin fast 4000 m hohe Qinling-Gebirge hinter sich, ist man im Süden, im feucht-grünen, üppigen Sichuan, wo alles in den Yangzi entwässert, in einer Welt für sich. Hier ist alles anders: die Architektur, das Essen, der Lebensrhythmus. Das von Bergen umschlossene Sichuan ging meist eigene Wege, bildete immer wieder eigene Reiche innerhalb Chinas und präsentiert sich heute als Schatzkammer mit immens reichem Kulturbestand, zahlreichen schönen Kleinstädten, aber auch einer faszinierenden Tierwelt, ­allen voran Pandas.  

Ein weiterer Unterschied zum Norden: Der Großteil des Südens ist kleinräumiger, stärker von Gebirgen geprägt, macht es der ­Erschließung durch öffentliche Verkehrsmittel schwieriger. Ergo nehmen wir das Flugzeug nach Hangzhou und kommen in die weniger feuchte, aber ebenso fruchtbare Region im Gebiet um das Yangzi-Delta. In China war dieses Gebiet – und ist es immer noch – Synonym für Reichtum.

HANGZHOU
Zunächst Hangzhou: Hauptstadt der Südlichen Song, mit dem Westsee Sinnbild ostasiatischer Romantik und Sehnsuchtsort, dem wir einen ganzen Tag widmen wollen. Rundherum reihen sich zahllose alte Kultur- und Handelszentren wie Perlen an einer Kette, vergleichbar mit der Konzentration alter Handelsmetropolen in Oberitalien und Flandern, nur in einem viel größeren Maßstab. Von diesen besuchen wir die großen Zentren Suzhou, Ningbo, Shaoxing und Songjiang sowie kleinere wie Anchang und Cicheng, ehe die Reise naturgemäß in der am spätesten blühenden und letztlich erfolgreichsten Metropole endet – der Weltstadt Shanghai.

NINGBO
Von besonderem Interesse ist dabei das von westlichen Touristen praktisch nicht besuchte Ningbo, eine Stadt, die vor dem Aufstieg Shanghais die bedeutendste Hafenmetropole der Region war und heute wieder an die alte Größe anknüpft. Berühmt ist vor allem die älteste erhaltene Bibliothek Chinas, die private Tianyi Ge aus dem 16. Jahrhundert. Sie führt uns eindrucksvoll die alte Buchkultur eines Landes vor Augen, dem wir nicht nur Papier und den Buchdruck verdanken, sondern in dem schon damals ein enormer Markt für antiquarische Bücher herrschte, die gemeinsam mit Gemälden, Kalligraphien und Antiquitäten den größten Stolz eines Chinesen von Stand darstellten.

SHAOXING UND SUZHOU
Nicht minder interessant ist Shaoxing, eine von Wasser geprägte Stadt, die als Geburtsort der modernen chinesischen Literatur gilt, immerhin wurde hier Lu Xun geboren, dessen Kindheitsstätten wie ein Schatz behütet werden. Das wesentlich bekanntere Suzhou ist nach wie vor die unbestrittene Garten­metropole Chinas. Doch neben den Gärten umfasst der sehr große Altstadtbereich zahllose weitere Sehenswürdigkeiten, die man nur exemplarisch bewältigen kann. Zu den von uns erwählten Orten zählt auch der ehemalige Palast des lokalen Taiping-Herrschers. Kein besserer Ort, um auf die Geschichte des größten Bürgerkriegs der Weltgeschichte einzugehen, ehe es nach Shanghai geht, wo wir die verschiedenen Seiten der Stadt vor Augen geführt bekommen – originär chinesische wie solche, die den drastischen Eingriff des „Westens“ zeigen.

Mag. Jürgen Flick

 
nach oben