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 | 'Insel der glücklichen Menschen'
Südöstlich von Bali befindet sich eine Inselgruppe, die von den Holländern - den ehemaligen Kolonialherren Indonesiens - die ‘Kleinen Sundainseln’ genannt wurden. Heute kennt man die Inseln Lombok, Sumbawa, Komodo, Flores, Timor, Sumba und unzählige kleinere Inseln unter dem Namen Nusa Tenggara, was die ‘Südöstlichen Inseln’ bezeichnet. Aufgrund der Abgeschie-denheit dieser Region wurde Nusa Tenggara von den auf Java, Bali und Süd-Sulawesi existierenden Hochkulturen nur geringfügig beeinflusst, so dass sich auf den Inseln - die zwischen 340 qkm und 15.000 qkm groß sind - selbständige Völkergemeinschaften mit eigenen Kulturen, Religionen und Sprachen entwickeln konnten. |
Sumba Den Vorstellungen ihrer Merapu Religion entsprechend führen die Bewohner von Sumba eine tief im Ahnenkult verwurzelte Lebensweise. Sie glauben an die ständige Anwesenheit der Seelen ihrer Vorfahren, die in den Megalithen und den auf den Hausdächern montierten Holzpfählen sowie anderen Kultgegenständen göttliche Verehrung finden. Um die Unterstützung der Ahnen zu erwirken, werden auch heute noch aufwendige, sich über mehrere Tage erstreckende Feste und Begräbnis-zeremonien durchgeführt und dabei eine Vielzahl von Schweinen und Wasserbüffeln geopfert. Ausdruck ihrer Weltanschauung sind auch die aus Holz gefertigten und mit Alang-Alang Gras eingedeckten Häuser. Es sind Pfahlbauten, deren unterster Teil - dort wo die Bauern ihre Tiere unterstellen und die Feldgeräte aufbewahren - als die Unterwelt angesehen wird. Der mittlere Teil, der ca. 40 qm große Wohnbereich, dort wo die Menschen schlafen, kochen, geboren werden und meist auch sterben, gilt als die Mittelwelt. Der wichtigste Teil eines Rumah Adat, des traditionellen Hauses, ist jedoch das Dach, das im oberen Teil steil empor ragt. Es ist der Aufenthaltsort der Ahnenseelen, die Oberwelt, und wird zur Lagerung der Ernte und zum Aufbewahren von Ritualgegenständen genützt. So wie überall auf Sumba werden wir auch in Wainjapu von einer großen Schar scherzender, kichernder Kinder begleitet. Die Männer des Dorfes kauen Betelnüs-se (Arecca betel) oder schärfen die Klingen ihrer Buschmesser (Parang). Auch wenn es heute nur noch selten zu Kampfhandlungen kommt, so tragen sie diese Waffen als Zeichen ihrer Männlichkeit, die auch bei der Waldarbeit und zum Schlachten von Wasserbüffeln verwendet werden. Frauen sitzen auf der Veranda ihrer Häuser, flechten Körbe oder beschäftigen sich mit der Herstellung der be-rühmten ‘Ikat-Stoffe’. Eine Arbeit, die auf Sumba einem rituellen Akt gleichkommt. Noch vor dem Weben entsteht durch das wiederholte Abbinden und Einfärben von Fädenbündeln ein Muster, das die Mythologien, das Leben und das Denken der Eingeborenen widerspiegelt. Die Stoffe werden zum Einwickeln der Verstorbenen verwendet, sind bei Besuchern aber auch begehrte Souvenirs geworden. Die Insel Sumba ist relativ trocken, weshalb ihre Bewohner zu den ärmsten Indonesiens gehören. Die Abgelegenheit der Insel und die wirtschaftliche Ar-mut ihrer Bewohner haben jedoch bewirkt, dass alt hergebrachte Traditionen und Arbeitsmethoden beibehalten werden. Flores Als die Portugiesen im 16. Jhdt. auf ihrer Suche nach Gewürzen die Inseln Nusa Tenggaras erkundeten, trafen sie in Sumbawa, Komodo, Sumba und Timor auf eine vom trockenen Klima beeinflusste Pflanzenwelt. Lediglich auf der Insel Flores begegneten sie einer tropischen Vegetation, weshalb sie diese ‘Floressa’ nannten. Im Gegensatz zu den umliegenden Inseln ist Flores vulkanischen Ursprungs - mit 14 aktiven Vulkanen, die für die Fruchtbarkeit der Insel verantwortlich sind. Auf der nur 14.250 qkm großen Insel Flores leben fünf verschiedene Volksgruppen - die zum Teil der melanesischen, zum Teil der malayischen Bevölkerung angehören - und haben jeweils eigene animistische Glaubensvorstellungen sowie eine eigene Architektur entwickelt. Mächtige, mit mystischen Schnitzarbeiten verzierte Adat-Häuser, Steinaltäre und Kultplätze - wo man die Knochen der Dorfgründer in kleinen Särgen aufbewahrt - dominieren das Zentrum der Dörfer. 80 km westlich von Ende gelangen wir bei Bajawa in die Region der Ngada: Klei-ne, mit Gras und Bambus gedeckte Holzhäuser beherrschen das Erscheinungsbild der Siedlungen. Nach den Vorstellungen der Ngada müssen diese bis zu 50 Jahre alten Häuser aus dem Holz bestimmter Bäume (Hoja, Fei) gefertigt und nach einem bestimmten Ritus aufgebaut, geschnitzt und bemalt werden. Während der gesamten Bauzeit müssen die Dorfbewohner am Morgen in ihrer traditionellen Tracht erscheinen, um Tänze abzuhalten, während ein Mann den Gong schlägt. Bei einer feierlichen Zeremonie wird am letzten Tag die beschnitzte Stiege in das Haus eingebaut und diesem somit eine Seele verliehen. Wogo und das am Fuß des Inerie Vulkans gelegene Dorf Bena sind sicherlich die schönsten und größten Dörfer der Region. Wer die Lebensgewohnheiten der Ngada erforschen will, findet aber noch eine Vielzahl ähnlicher Dörfer, in denen die Menschen im Einklang mit der Natur ihren Frieden gefunden haben. In der Manggarai, die sich um die Stadt Ruteng erstreckt, treffen wir auf große, oktagonale, mit Zuckerpalmfasern eingedeckte Holzhäuser, die mehrere Familien mit bis zu 30 Personen beherbergen. Vor diesen traditionellen Häusern werden bei Hochzeitsfesten Peitschenkämpfe abgehalten, bei denen die jungen Männer ihre Geschicklichkeit und ihren Mut unter Beweis stellen können.
Komodo Der von der UNESCO zum ‘Erbe der Menschheit’ erklärte Komodo-Nationalpark ist die Heimat der letzten 3000 Komodo-Warane, fleisch-fressenden Riesenechsen, die seit Millionen von Jahren den unterschiedlichen Umwelteinflüssen standgehalten haben. Die bis zu 3 m langen Komodo-Warane erreichen ein Gewicht von bis zu 45 kg und werden bis zu 30 Jahre alt. Waran-Weibchen legen bis zu 30 Eier, die sie in der Erde vergraben. Nach 9 Monaten schlüpfen ca. 35 cm große Babywa-rane, die auf die Bäume flüchten, um nicht von den Artgenossen gefressen zu werden. Die Haut der Riesenechsen besteht aus Knochenplättchen. Die Krallen benötigen sie, um ihre Nisthöhlen zu graben. Warane haben eine weiße, gespaltene Zunge, mit der sie Gerüche auf eine Entfernung von bis zu 8 km wahrnehmen können. Kleinere Tiere werden von ihnen mit einem Biss in den Nacken getötet, während größere Tiere wie Wasserbüffel aufgrund der mit dem Biss übertragenen Bak-terien an Blutvergiftung verenden. Die Insel Komodo wie auch die Insel Rinca sind extrem trocken und karg. Doch findet man entlang der Küsten wunderschöne Sandstrände, bei denen man die grandiose Unterwasserwelt genießen kann. Abertausende Flughunde verlassen am späten Nachmittag die Schlafbäume der Insel Kalong, um im Umkreis von bis zu 70 km nach frischen Früchten und Blüten Ausschau zu halten. Ein Ereignis, das man nicht so schnell vergisst. Sumbawa Auf der Insel Sumbawa leben ca. 850.000 Einwohner, die sich größtenteils zur islamischen Religion bekennen. Pferdekutschen, sogenannte ‘Ben Hur’, bilden das gängige Nahverkehrsmittel. Fischerboote und Pfahlbauhäuser prägen die unendlich scheinenden Strände. Landschaftlich dominierend ist der Vulkan Tambora, der 1815 bei einem der gewaltigsten Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte von 5000 m auf seine heutige Größe von 2851 m einstürzte. Das größte Spektakel der Insel sind die in Zentral-Sumbawa abgehaltenen Wasserbüffelrennen, die am Wochenende Tausende Besucher herbei locken. Mit rasantem Tempo jagen jeweils zwei mit einem Joch verbundene Wasserbüffel über ein abgeerntetes, unter Wasser stehendes Reisfeld. Die Büffel werden von einem meist jungen Mann angetrieben, der auf einem dreieckigen ‘Fahrgestell’ steht. Oft-mals sind dramatische Kurskorrekturen notwendig, wobei es auch vorkommt, dass die Lenker noch vor dem Ziel im Schlamm landen oder die Büffel seitlich ausbrechen. Diese Missgeschicke werden den ‘Sanro’, den hinter der Ziellinie stehenden Medizinmännern der Gegner zugeschrieben, die mit Magie versuchen, die Kontra-henten am Erreichen des Ziels zu hindern. Die Gespanne starten nicht gemeinsam, sondern nacheinander, denn nicht die Geschwindigkeit, sondern das Ge-schick der Lenker, die Gangart der Büffel und sogar das Spritzen des Wassers werden als Kriterien zur Bewertung des Siegers hergenommen. Wenn es traditionell zugeht, muss der Lenker nach dem Rennen noch vor den Dorfschönheiten ein lobpreisendes Gedicht vortragen, das gleichfalls in die Be-wertung kommt. Lombok Der größte Teil der Bevölkerung Lomboks gehört zur Volksgruppe der Sasak, von denen noch viele in ihren traditionellen Dörfern leben, wo sie eine ganz eigene Architektur entwickelt haben. Auffallend sind die inmitten der Dörfer stehenden Reisspeicher, deren Dächer eine eigenartige Form aufweisen und von manchen als Fruchtbarkeitssymbol angesehen werden. Es ist aber vor allem auch die Schönheit des Rinjani-Vulkans, welche die Besucher zum Kraterrand hinauf lockt. Von dort oben hat man einen grandiosen Blick über die faszinierende Landschaft des Kratersees, des darin herausragenden, aktiven Gunung Baru und den dahinter gelegenen 3760 m hohen Rinjani-Gipfel.
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