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KARIBU KENYA

VON ELISABETH KNEISSL-NEUMAYER

 
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Willkommen in einem Reiseland, das uns aus unzähligen Filmen, Büchern und Berichten so bekannt scheint. Und uns dann mit noch viel eindrucksvolleren Bildern vor Ort vor Begeisterung fast den Atem raubt.

Wir wollen auf Safari gehen – und jede Region bietet sehr unterschiedliche und faszinierende Naturlebensräume und Tiere. Bei unserem Versuch, die „Big Five“ (Elefant, Löwe, Büffel, Leopard und Nashorn) zu erleben, durchstreifen wir den Amboseli-Nationalpark, das Rift Valley vom Hell’s Gate Nationalpark bis zum Bogoria See sowie die faszinierenden Weiten des Masai Mara Reservats.

Wenn wir heute in den Süden Kenias aufbrechen, um den Amboseli, einen der berühmtesten Nationalparks Afrikas zu erkunden, haben wir es entschieden leichter als Ernest Hemingway, der vor knapp 90 Jahren das erste Mal zum höchsten Berg Afrikas kam. In „Schnee am Kilimandscharo“ und „Die grünen Hügel Afrikas“ schildert er seine Begeisterung für dieses einzigartige Land und seine Safari-Erlebnisse. In Afrika war Hemingway am glücklichsten gewesen – hier fand er eine Welt, die ursprünglich und unverfälscht war und er fürchtete, dass sie von der Moderne überrollt würde. Statt unserer 13 Stunden Wegstrecke mit einem bequemen Flug mit Lufthansa oder Qatar war er 1933 allein 14 Tage mit dem Schiff von Marseille bis Mombasa sowie eine Nacht im Zug unterwegs.
Wie Hemingway von seiner Jagdleidenschaft getrieben war, suchen wir mit unserer Kamera immer neue Motive und Eindrücke. Und permanent verfolgt uns der Gedanke: Gibt es diese ursprüngliche Welt noch, die er so eindringlich schildert – diese kaum vorstellbaren Safari-Erlebnisse? Abgesehen von der Bequemlichkeit der Anreise (ein unbedingtes Plus unserer Zeit!!!) kann ich mit Gewissheit sagen, dass man in Kenia (wie in einigen anderen Ländern des östlichen und südlichen Afrika) bis zum heutigen Tag diese atemberaubend schönen Tierbeobachtungen / Safaris genießen kann. Auch dank Menschen wie Bernhard Grzimek, der sich Zeit seines Lebens für den Naturschutz und die Errichtung von Nationalparks in Afrika eingesetzt hat. Sein Buch „Kein Platz für wilde Tiere“ sowie der Dokumentarfilm „Serengeti darf nicht sterben“ waren auch hier in Kenia Impulsgeber für viele Nationalpark-Projekte.

Nur knapp 4 Stunden dauert die Anreise aus Nairobi zum Amboseli, sodass wir am Nachmittag bereits unsere erste Wildbeobachtungsfahrt im Nationalpark unternehmen. Er liegt auf gut 1700 m Seehöhe am Fuß des majestätischen Kilimandscharo (5895 m). Aufgrund seiner mannigfaltigen Tierwelt, von Zebras und Gnus über Giraffen zu den verschiedensten Gazellenarten, aber auch Büffeln, Elefanten und Löwen, zählt er zu den beliebtesten und meistbesuchten Parks in Ostafrika. Bei einer Größe von nur 390 qkm erleben wir eine der dichtesten Konzentrationen von Wildtieren in Ostafrika.
Für einen ersten klaren Blick auf den einzigartigen Kilimandscharo und seinen westlichen Gipfel, der in der Sprache der Masai „Ngàje Ngài“ – das Haus Gottes – heißt, müssen wir allerdings bis zum nächsten Morgen warten. Der Berg bildet die atemberaubende Kulisse bei der Wildbeobachtung im Park - unterschiedlichste Lebensräume wie Akazienwälder, Bäche und Seen, Papyrussümpfe und Palmendickicht sowie offene Savanne bieten vielen Großwildarten, u.a. Elefantenherden, eine Heimat. Die zahlreichen Sümpfe, die vom Kilimandscharo gespeist werden, stellen sehr ergiebige Wasservorkommen dar und bieten auch in der Trockenheit ausreichend Wasser. Auch für die großen Rinderherden der Masai, denen wir in den Randbereichen des Parks begegnen.

„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuße der Ngong Berge ...“ - ein unbedingtes Muss für mich war ein Besuch im Karen Blixen Museum, dem ehemaligen Wohnhaus der Autorin von „Jenseits von Afrika“. Knapp 18 Jahre hatte sie ihr Glück als Kaffeeplantagenbesitzerin in Kenia gesucht; danach kehrte sie nach dem Tod des Geliebten und dem Bankrott der Farm nach Dänemark zurück. Tania Blixen, Isak Dinesen – mehrere Pseudonyme hatte die Dänin verwendet. In Afrika begann sie in englischer Sprache und mit viel Raffinesse zu schreiben. Einer ihrer größten Fans war Ernest Hemingway ... die Liebe zu Afrika verband.

Von Nairobi ist es fast nur ein „Katzensprung“ in das Rift Valley – den großen Ostafrikanischen Grabenbruch, in dem wie an einer Perlenkette einige ganz besonders schöne Seen/Nationalparks liegen. Der Lake Nakuru-Nationalpark ist ein kleines Paradies für Safari-Freunde und Ornithologen. Am Nakuru See haben wir die besten Chancen entlang unserer Route, Nashörnern zu begegnen – sowohl Breitmaul- als auch Spitzmaulnashörnern. Und für unseren Fahrer Morgan, der jede unserer Reisen bestens betreut, war das ein richtiger Auftrag, den er mit Bravour erledigen wollte. So kamen wir nicht nur Nashörnern (inkl. Nachwuchs) bei unserer Wildbeobachtungsfahrt immer näher und näher, sondern durften auch suhlende Büffel und prachtvolle Rothschild-Giraffen aus nächster Nähe bewundern.

Ein weiterer Ausflug führt uns im Rift Valley nordwärts durch immer trockenere Landschaft – u.a. mit Sisalplantagen - zum Bogoria See, einem der nördlichsten Seen im Grabenbruch. Die Hauptattraktion des Sees sind Flamingos (vor allem Zwergflamingos), die dank des hohen Sodagehalts des Seewassers hier ausreichend Algen als Nahrung vorfinden. Aber auch die heißen Quellen und kleinen Geysire, die wir im Südwesten des Sees finden, sind sehenswert. Auch hier ist das Wasser wie überall im Rift Valley über die letzten Jahre gestiegen – aber hier erleben wir noch die „rosaroten Wolken“ von Flamingos, die mit Glück zu Hunderttausenden entlang des Sees nach Nahrung suchen.

Am Naivasha-See haben wir mit dem Lake Naivasha Sopa Resort einen perfekten Ausgangspunkt für Ausflüge gefunden – am Morgen begrüßen uns Zebras und Wasserböcke, die unter dem Balkon weiden. Da man bei Safaris doch sehr viel im Auto sitzt, wollen wir es einen Tag etwas „sportlicher“ angehen und den kleinsten Nationalparks Kenias, den Hell‘s Gate Nationalpark, mit seiner beeindruckenden Njorowa-Schlucht erkunden. Das Safari-Erlebnis ist hier eindeutig spezieller, denn die 8 km durch den Nationalpark (immer sanft bergab) legen wir auf Mountainbikes zurück – umgeben von Zebras, Giraffen und Büffeln, die vor der Kulisse mächtiger Basaltsäulen weiden. Das Erlebnis wird im südlichen Teil noch gesteigert, wenn wir nach einem kurzen Spaziergang in den engsten Teil der Schlucht mit unzähligen heißen Quellen (inkl. einem heißen Wasserfall) hinuntersteigen. Aber auch der Naivasha See bietet Safari-Alternativen – bei einer Bootsfahrt lernen wir die bemerkenswerte Vielzahl von Vögeln wie Ibisse, Schreiseeadler, Goliathreiher oder Marabus kennen, aber auch Flusspferden und Krokodilen begegnen wir. Und Crescent Island, wo ein Teil von „Jenseits von Afrika“ gedreht wurde, erleben wir bei einem Game-Walk, einer Fuß-Safari quer durch Gnu-, Zebra- und Giraffenfamilien.

Bei so vielen Safari-Erlebnissen vergisst man fast auf die Menschen, die hier leben. Unser Weg führt uns deshalb weiter in den Südwesten des Landes zu den Loita Hills, eines der traditionellsten Masai-Gebiete in Kenia. Unser Ausgangspunkt für kurze Spaziergänge und Wanderungen ist das Maji Moto Eco Camp. Es ist ein Projekt der Masai-Familien, die hier leben – die Einkünfte kommen der gesamten Gemeinde zugute. Schlicht, aber mit viel Geschmack (mit Unterstützung eines slowenischen Architekten) wurde die Lodge aufgebaut – einfache Zelte mit dicken Matratzen und Bettzeug ergeben eine bescheidene Übernachtung, aber hier gibt es sogar eine Dusche mit weitem Panoramablick über die herrliche Landschaft! Nahe der Lodge begeistern beeindruckende Felsformationen, aber auch die heißen Quellen, die zum Waschen der Wäsche und auch für das persönliche Bad genutzt werden. Rings um die Lodge gedeihen Wälder mit riesigen Euphorbienbäumen, aber auch viele andere Pflanzen und Bäume, die uns Ben, unser Masai-Guide, genau erklären kann.

Den abschließenden Höhepunkt unserer Reise bildet das Masai Mara Reservat, das an die in Tansania liegende Serengeti angrenzt – es ist eines der bedeutendsten Wildreservate Ostafrikas. Auf einer Fläche von rund 1.500 qkm findet man einen in Afrika einmaligen Reichtum an Wildtieren und Vogelarten in unberührter Wildnis. Einer der „Hot Spots“ sind die tierreichen Ebenen und sanften Hügellandschaften am Talek River. Bei unserer Ausfahrt verstehen wir dann auch schnell den Ausdruck „Mara“ im Namen des Parks – „gefleckt“ schaut die Ebene aus, durchsetzt von zahlreichen einzelstehenden Akazien und Büschen. Wir erleben aber auch weite Grassavannen (inkl. Hunderter Gnus, die uns beim Mittags-Picknick unter einem schattenspendenden Baum umringen), sehen in den Galeriewäldern des Talek River Leoparden, Geparde und Löwen. Der zweite „Hot Spot“ ist das Gebiet des Mara Rivers – bekannt für die Crossings, bei denen tw. Hunderte Gnus den Fluss überqueren, unter genauer Beobachtung zahlreicher Krokodile. Zebras, Thomson-Gazellen und Topis, aber auch Hyänen, Büffel und Giraffen (im Sonnenaufgang und im Sonnenuntergang...) sowie Elefanten haben unser Safariglück komplettiert.

Kwaheri und Oleseri – auf Wiedersehen in „Magical Kenya“!

 
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