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VALÈNCIA

MODERNES, BUNTES, QUIRLIGES VALèNCIA

 
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Ciudad de las Artes y las Ciencias (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Paella (C) exclusive-design_Fotolia.com San Nicolas (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Fallas (C) Turismo Valencia Teruel (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Albarracin (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer Ciudad Encantada (C) Elisabeth Kneissl-Neumayer
 

València ist hypermodern und prachtvoll gotisch, mondän und bodenständig, und eigentlich ganz anders als die anderen großen spanischen Städte.
 
Die Stadt mit ihren 2 Mio. Einwohnern (im Großraum València) blickt auf eine mehr als 2000-jährige Stadtgeschichte zurück – die prägenden Epochen begannen allerdings erst vor knapp 800 Jahren, als die Stadt von den Königen von Aragon den Mauren abgerungen wurde. València entwickelte sich zu einem der wichtigsten Mittelmeerhäfen und einer bedeutenden Handelsstadt, in der prunkvolle gotische Paläste und Kirchen entstanden – und eines der schönsten Börsegebäude weltweit: Dank der zahlreichen Seidenweber wurde eine überwältigende und atemberaubend schöne Seidenbörse errichtet, die mehr einer Kathedrale als einer Handelshalle gleicht. Gedrehte 17 m hohe Säulen stützen den Geschäftstempel der Seidenhändler, der Ende des 15. Jh. vollendet wurde – mit allen verspielten Nuancen der Spätgotik...
 
Die Zeiten waren nicht immer gut für València – die 50er-Jahre des 20. Jh. waren geprägt von katastrophalen Überschwemmungen des Turia, vor allem die Flut des Jahres 1957 forderte zahlreiche Opfer und richtete immensen materiellen Schaden an. Dies führte zu einem massiven Eingriff in das Flussbett des Turia – der Fluss wurde südlich an València vorbeigeleitet und im alten Flussbett wurden die ersten prachtvollen Parks angelegt, die sich jetzt im weiten Bogen um die Altstadt schmiegen. Im südöstlichen Teil dieses Turia-Parks entstand dann in den 90er-Jahren des 20. Jh. bis 2006 die Ciutat de les Arts i les Ciències, eines der faszinierendsten Projekte moderner Kunst in Europa. Der aus València stammende Architekt Santiago Calatrava zeichnete gemeinsam mit Félix Candela verantwortlich für zahlreiche grandiose und ebenso atemberaubend schöne moderne Architektur-Ikonen wie das Hemisfèric (Planetarium und IMAX-Kino), das Museum der Wissenschaften, das Oceanogràfic (das größte Aquarium Europas) oder die extravagante Oper im Palau de les Arts Reina Sofía. Wer sich am Morgen die Zeit nimmt, hier mit der Kamera hindurch zu streifen, findet unendlich viele großartige Fotomotive, steht beeindruckt vor diesen extravaganten Bauten, die heute das moderne València repräsentieren.
 
Rings um die Millionenstadt liegen 40 Dörfer und 43.000 Hektar Agrarland – ein gewaltiger Grüngürtel, der sich über viele Jahrhunderte entwickelt hat und als die Huerta València bekannt ist. Seit der islamischen Zeit besteht ein ausgeklügeltes Wassersystem mit kleinen Kanälen und Dämmen, die das Wasser gerecht verteilen. Für die Gerechtigkeit dieses Systems sorgt bis heute das sog. Wassergericht (besteht seit mehr als 1000 Jahren), das sich jeden Donnerstag vor dem Aposteltor der Kathedrale trifft und eventuelle Streitigkeiten mündlich und rasch klärt.
Das extrem fruchtbare Land bietet optimale Bedingungen für Gemüse wie Artischocken oder Zwiebeln, Obst wie die saftigen Orangen aus València, Erdmandeln für das beliebte Getränk Horchata und natürlich den Reis, die wichtigste Zutat der Paella aus València. Angeboten werden das Obst und Gemüse gemeinsam mit herrlichen Fischen und Meeresfrüchten von der nahen Küste in den zahlreichen Märkten von València. Besonders beeindruckend ist der Mercat Central, der Zentralmarkt, der in einem prachtvollen Jugendstilgebäude gegenüber der Seidenbörse untergebracht ist. Schöner kann ein Anblick von farbenprächtigem Obst und Gemüse kaum sein – und der Markt kann sich durchaus mit seinen Mitbewerbern in Spanien, u.a. der Boqueria in Barcelona, messen.
 
Zwischen der Placa de la Mare de Dèu und den beiden alten Stadttoren Porta de Serrans und Torres de Quart erstreckt sich eines der beliebtesten Ausgehviertel von València – das Barrio del Carmen, schlicht El Carme genannt. Hier findet man nicht nur altehrwürdige Paläste, einzigartige Museen (u.a. das sehenswerte Museum Moderner Kunst – IVAM) und die beeindruckenden Deckenfresken der Kirche San Nicolas de Bari, hier schlägt auch das Party-Herz der Stadt. Neben bunter kreativer Graffiti-Bemalung findet man beliebte Restaurants und Bars, aber auch Discos. Ein Tipp ist das Café de las Horas: Mächtige Kronleuchter, dunkelroter Samt, antike Möbel – die Bar vereint das klassische „Literaturcafé“ aus den Anfängen des Jahrhunderts und den Chic von Pariser Cafés mit valencianischer Lebensfreude. Familien ziehen eher in das San Miguel mit seinen authentischen valencianischen Gerichten, La Pilareta ist für seine köstlichen Muscheln bekannt...
 
Inmitten der Stadt erhebt sich La Seu, die Kathedrale von València – errichtet ab dem 13. Jh. über den Resten eines römischen Tempels und einer Moschee. Wahrlich herausragend ist der achteckige, 50 m hohe Turm Micalet, man steigt über eine Wendeltreppe bis zur Aussichtsterrasse hoch und wird mit einer herrlichen Aussicht auf die Altstadt von València belohnt. Im ehemaligen - herrlich geschmückten -  Kapitelsaal wird eine weitere Attraktion von València gezeigt – der Heilige Kelch des letzten Abendmahls ...
 
Ringsherum ist quirliges Leben zu finden – schicke Einkaufsstraßen, Tapas-Bars, Handwerksläden und vieles mehr. Wer dennoch einmal abschalten will, kann das auch an der Meer-Seite der Stadt tun – die herrlichen Strände Las Arenas, Malvarrosa und El Cabañal laden zum Besuch ein. Rings um den Yachthafen findet man aber auch einige der angesagtesten Restaurants und Discos der Stadt.
 
Was man bei València definitiv nicht vergessen darf, ist der speziellste Start in den Frühling, den man in Europa finden kann – die Fallas! Jedes Jahr im März, vom 1.3.-19.3., füllen sich die Straßen der Stadt mit dem Trubel des Fallas-Festes, die „heiße“ Phase beginnt mit den letzten 4 – 5 Tagen. Wer es nach der Tradition der Valencianer machen will, muss „vivir sin dormir“ - leben, ohne zu schlafen. Alles Negative (im Sinne der zahlreichen Ninot-Figuren) soll verbrannt und aus der Asche neu geboren werden, um die neue Jahreszeit willkommen zu heißen. Das Festprogramm der Fallas-Woche ist prall gefüllt – da muss zB ein „Ninot Indultat“ gewählt werden, eine Figur, die auf Wunsch des Publikums begnadigt wird, vor den Flammen verschont bleibt und im Fallas-Museum ausgestellt wird. Zahlreiche Blumenprozessionen der Frauen und Mädchen in ihren kostbaren Trachten führen zur Marienbasilika und Tag für Tag werden einzigartige Feuerwerke gezündet. Am Abend des 19. März gehen dann alle Figuren in Flammen auf, begleitet von der Explosion zahlreicher Feuerwerkskörper, die das Ende des Festes einläuten.
 
Obwohl València immens viel bietet, sollte man nicht auf Ausflüge ins Hinterland verzichten: Besonders beeindruckend sind die großartigen Türme von Teruel, die Mudejar-Kunst vom Feinsten zeigen – moslemische Motive mit Majolica-Fliesen für christliche Kirchtürme. Zusätzlich begeistert u.a. die Kassettendecke der Kathedrale, die – über 32 m lang – mit unzähligen Szenen und Figuren aus dem 14. Jh. verziert ist. Und Romeo und Julia auf Spanisch ist hier auch zu erleben: Isabel und Juan heißen die „Liebenden von Teruel“, die zumindestens im Tod in einem Grab in der San Pedro Kirche zusammengefunden haben.
 
Nicht weit von Teruel entfernt, aber doch fernab der meisten Touristen-Wege inmitten der Bergwelt der Sierra de Albarracín, thront über dem Flusstal des Guadalaviar das alte Taifa-Emirat Albarracín – inmitten der gewaltigen, wehrhaften Mauern aus dem 10. – 15. Jh. hat sich ein Kleinstadt-Juwel mit islamischem und mittelalterlichem Flair erhalten. Verwinkelte Gassen führen durch die Altstadt mit zahlreichen schönen Stein- und Fachwerkbauten – nirgends „überrestauriert“, alles wirkt ganz wunderbar authentisch. Nur an spanischen Festtagen füllen sich die Gassen der Stadt – denn die Spanier kennen dieses bezaubernde Kleinod!
 
Und noch eine weitere Stadt sollte man besuchen – Cuenca mit seinen „Hängenden Häusern“ und der grandiosen Kathedrale. Der Weg nach Cuenca führt durch fantastische Schluchtenlandschaften, vorbei an der Quelle des Tajo in die „Ciudad Encantada“ – die verwunschene Stadt liegt auf gut 1500 m Seehöhe in einer Schlucht inmitten der Serranía de Cuenca. Aus einem Föhrenwald ragen Kalksteinformationen empor, die ein Labyrinth aus Wegen, Felsbrücken und Plätzen bilden – manche Steinformationen sehen wie Schiffe aus, andere wie Hochhäuser.
Cuenca schließlich erstreckt sich in pittoresker Lage auf einem schmalen Felsplateau zwischen den Schluchten des Júcar und des Huécar – und zählt seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Aufgrund der Knappheit des Wohnraums wurden manche der Häuser besonders eng an die Schlucht gebaut – so entstanden die „Hängenden Häuser“, die casas colgadas, hoch über dem Huécar. Inmitten der engen Gassen mit gelb, rot und orange leuchtenden Hausfassaden erhebt sich die Kathedrale mit der etwas zu groß geratenen Fassade – wer trotzdem eintritt, steht in einem der wunderbarsten sakralen Orte Spaniens mit fantastischen Kapellen und Kuppeln.
 
Eine Reise in den Südosten Spaniens zahlt sich in jedem Fall aus – egal ob man nur València besucht oder auch das interessante Hinterland!
 
Text: Elisabeth Kneissl-Neumayer

 
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