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SPANIEN: SEVILLA

STADT DES LICHTS UND DER KUNST

 
Starte Diaschau
Torre del Oro (C) Foto Julius Generalarchiv, Kathedrale und Alcazar (C) Foto Julius Alcazar (C) Foto Julius Alcazar (C) Foto Julius Basilica de la Macarena (C) Foto Julius Barrio Santa Cruz (C) Foto Julius Plaza de Espana (C) silver-john - stock.adobe Alcazar (C) stock.adobe 
 

Schön, dass man Sevilla seit letztem Herbst mit Direktflug von Austrian schnell erreichen kann – so können wir bestens in die kunstvolle, strahlende und einzigartige Hauptstadt Andalusiens eintauchen.

GIRALDA
Über der Plaza del Triunfo erhebt sich prachtvoll und stolz der über 100 m hohe Kirchturm der Kathedrale von Sevilla – ­Giralda genannt und definitiv nicht als Kirchturm erbaut. Die Berber­dynastie der Almohaden, die ab Mitte des 12. Jh. vom Hohen Atlas aus Marokko und den Maghreb erobert hatte, konnte auch ihre Macht im damaligen al-Andalus festigen und die Reconquista­ um ein weiteres Jahrhundert hinausdrängen. In Sevilla und Marra­kesch entstanden zeitgleich einzigartige Moscheen zu ­Ehren ­Allahs – mit jeweils ziemlich baugleichen Minaretten. Jenes der Koutoubia-Moschee in Marrakesch ist bis heute unverändert erhalten geblieben – das der Moschee von Sevilla erkennt man erstklassig im unteren Teil der Giralda. 1182 – zur Fertigstellung – war das Minarett mit 84 Metern das höchste der Welt! Den wahrscheinlich schönsten Blick hat man vom Orangenhof aus, dem ehemaligen Vorhof der Moschee. Auf den Grundfesten der Hauptmoschee von Sevilla errichtete man ab 1401 die gewaltige Kathedrale der Stadt – es entstand der größte gotische Kirchenbau der Welt. Hier fand die Hochzeit von Karl V statt, „in dessen Reich die Sonne niemals unterging“. Die Kathedrale wurde mit kost­baren Kapellen und Kunstwerken geschmückt – der größte Schmuck ist sicherlich der fantastische Retablo, der angeblich größte der Welt. 1902 entstand schließlich das Grabdenkmal für Christoph Kolumbus, dessen sterbliche Überreste zuerst eine weite Reise von Spanien in die Karibik und wieder zurück hinter sich hatten.

ALCÁZAR
Wendet man sich von der Plaza del Triunfo Richtung Süden, ­erblickt man die hohen Mauern des Alcázar, wo einst der ­Palast der Almohaden stand. Peter I ließ hier ab Mitte des 14. Jh. ­einen fantastischen neuen Herrschaftssitz entstehen, wobei er dazu erstklassige moslemische Handwerker aus Granada holte, die dem Gebäude den besonderen Esprit gaben – Mudéjar-Kunst nennt man es heute. „Mudeyyan“ wurden die Menschen bezeichnet, die bleiben durften, also die Moslems, deren Arbeit benötigt und geschätzt wurde. Die Verschmelzung der maurischen Architektur mit christlichen Baustilen finden wir in Andalusien, der Extre­madura, sehr stark auch in Aragón. Wer in die Wunderwelt des Alcázar von Sevilla eintaucht, findet verspielte Gipsschneidekunst, prachtvollste Holzdecken, einzigartige Säle und Innenhöfe. Zur Zeit von Karl V wurden noch die Gärten dazugefügt, die die Schönheit des Palasts noch verstärkten.

BARRIO DE SANTA CRUZ
Kehren wir nochmals zur Plaza del Triunfo zurück – mit Generalarchiv, Kathedrale und Alcázar – auf der östlichen Seite des Platzes beginnt das alte jüdische Viertel, das Barrio de Santa Cruz. Zur Zeit der Reconquista Mitte des 13. Jh. war es die größte jüdische Gemeinde Spaniens. 1492 änderte sich alles, als die Juden aus der Stadt und Spanien vertrieben wurden. Aus dem alten Viertel entwickelte sich in der Folge einer der schön-sten Altstadtteile mit prachtvollen Palästen, Kirchen, Klöstern, kopfsteingepflasterten Gassen, luftigen Innenhöfen voller Blumen und Springbrunnen. Hier hindurchzuflanieren gehört zum größten Vergnügen für einen Sevilla-Besucher. Wer den Spaziergang mit Kunst anreichern will, der sollte unbedingt das Hospital de los Venerables besuchen, eines der schönsten Barockgebäude der Altstadt mit seinem sehenswerten Museum, in dem einige bedeutende Werke von Diego Velázquez bewundert werden können.
Irgendwann muss man sich auch stärken, viele ansprechende Lokale findet man an der Calle Mateos Gago, einige sind auch von Einheimischen hochgeschätzt – wie die Bar ­Santa Cruz, die immer sehr gut besucht ist. Wer besonderes „Flair“ erleben will, der ­sollte in der Bar „La Fresquita“ vorbeischauen, in der das ganze Jahr über Bilder und Videos zu den Semana-Santa-­Prozessionen gezeigt werden. Wer dann auch noch den Duft von Weihrauch ausmacht, hat sich nicht ge­täuscht – der Weihrauchkessel über dem Bierzapfhahn wird immer wieder ­geschwenkt.

CASA DE PILATOS UND PALACIO DE LA CONDESA DE LEBRIJA
Am Rande des Barrio de Santa Cruz erwartet uns einer der schönsten Paläste von Sevilla - die Casa de Pilatos wurde im 16. Jh. für die Herzöge von Medinaceli errichtet. Italienische Renaissance, Gotik und Mudéjar ­gehen eine vielleicht gewagte, aber durchaus gelungene Symbiose ein. Wir bestaunen den Haupt-Patio mit seinen einzigartig ­verzierten Marmorsäulen, die griechische Götter und römische Kaiser abbilden. Prachtvollste Fliesen/­­Azulejos (so schön, dass man jede einzelne fotografieren möchte) schmücken die langen Gänge und hohen Wände des Palastes, der inmitten von hübschen Gärten liegt.
Einen Palast wollen wir uns unbedingt noch anschauen – den Palacio de la Condesa de ­Lebrija. Obwohl schon im 16. Jh. erbaut, begann seine Bedeutung erst um 1900 mit dem Kauf durch die Condesa de Lebrija, die als erste Frau an der Kunstakademie in Sevilla studieren durfte. Mit ihrem Vermögen erwarb sie eine einzigartige Sammlung römischer Mosaike, die den ganzen Palast schmücken. Wie man sich das vorstellen darf: Sie treten durch das recht unscheinbare Portal in einen Innenhof, der zur Gänze mit einem erstklassigen ­riesigen Mosaik aus Itálica geschmückt ist. Jeder Raum besticht durch unterschiedliche Mosaike, Amphoren oder Statuen. Den Stiegenaufgang schmücken herrliche Azulejos eines alten Klosters, von einem zerstörten Palast in Marchena stammt die fein verzierte Decke des Aufgangs. Jeder Raum lässt ihre Liebe zu Kunst ahnen – es ist ein wirklich großartiges Erlebnis.

"LAS SETAS DE SEVILLA"
Bei so geballtem Vorkommen von kunsthistorischen Schätzen stellt sich die Frage, ob es nicht auch Beispiele moderner Kunst/Architektur in Sevilla gibt. Dafür sorgen im Zentrum seit 2011 die Las Setas/Metropol ­Parasol von Sevilla, eine riesige Holzkonstruktion, die sich über der Plaza de la Encarnación erhebt. Dem deutschen Architekten Jürgen Meyer verdanken wir das scheinbar organisch aus dem Boden wachsende Objekt (Las Setas – die Pilze), das als der größte Holzbau der Welt gilt. Es ist aus jeder Richtung reizvoll, aber einzigartig ist es, wenn man mit dem Lift quasi auf das Dach hinauffährt, über das Stege angelegt wurden, die uns zu den schönsten Aussichtsplätzen auf die Stadt Sevilla führen – Richtung Kathedrale und Altstadt oder Richtung Macarena-Viertel oder Richtung Torre Sevilla, der sich als einziger Wolkenkratzer über die Stadt erhebt, wo 1992 die große EXPO stattfand.
 
PARQUE DE MARÍA LUISA
Zu Sevilla gehört auch ein Spaziergang durch den Parque de María Luisa, in dem 1929 die iberoamerikanische Ausstellung ­abgehalten wurde – eine Weltausstellung, für die prachtvollste Plätze und Gebäude errichtet wurden. Man wollte in gewisser Weise Frieden schließen mit den früheren Kolonialgebieten und hat dafür weder Kosten noch Mühen gescheut. Neben verschiedensten Pavillons sind zwei der für Sevilla emblematischen Plätze erhalten geblieben, die Plaza de América mit dem schönen Bau des Museums für Volkskunst, aber ganz besonders die über 50.000 qm große Plaza de España. Ein halbkreisförmiger Bau mit hohen Türmen an den Flanken, mit einem Wasserlauf, auf dem man sogar Boot fahren kann, ­kachelgeschmückten Brücken und 52 riesigen Kachelbildern, welche die 52 spanischen Provinzen darstellen.
 
Man erzählt sich zwar, dass die Operngestalt von Carmen ein Geschöpf aus Sevilla sei, doch wer beim nahen Universitätsgebäude – der ehemaligen Tabakfabrik – sucht, wird keine Spuren finden. Erst am Ufer des Guadalquivir werden wir fündig – genau gegenüber der Stierkampfarena Real Maestranza, hier hat man Carmen ein Denkmal gesetzt.
 
Noch so viel mehr können wir in Sevilla und seiner Umgebung erkunden – folgen Sie uns, folgen Sie mir auf eine Reise in die andalusische Hauptstadt.

Elisabeth Kneissl-Neumayer

 
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